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Bahnstrecke Meißen – Nossen vor dem Aus
Der Verkehrsverbund Oberelbe plant, den Verkehr einzustellen. Grund sind die Kürzungen des Freistaates.
Jürgen Müller und Harald Daßler
Die Bahnstrecke Meißen-Nossen steht vor dem Aus. Dies teilte gestern der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) mit. Grund sind die geplanten Kürzungen des Freistaates Sachsen. Dieser will den fünf Verkehrsverbünden ab 2011 für zwei Jahre die Finanzmittel um 7,5 Prozent kürzen, um so jährlich 30 Millionen Euro einzusparen. Der VVO müsste demnach mit 8,4 Millionen Euro weniger auskommen. „Das hätte für unsere Kunden dramatische Folgen. Tritt die Finanzkürzung wie geplant ein, wird das Verkehrsangebot im gesamten Verbundraum deutlich schlechter“, sagt Arndt Steinbach (CDU), Meißens Landrat und zugleich Vorsitzender des Zweckverbandes. Dazu gehört die Einstellung der Bahnstrecke Meißen – Nossen, aber auch die Lößnitzgrundbahn würde nach einem reduzierten Fahrplan verkehren. Zudem müssten sich die Fahrgäste auf Fahrpreiserhöhungen um fünf Prozent ab April 2011 einstellen.
Beschlossen sei aber noch nichts, sagt Frauke Zieschank, Sprecherin des Verkehrsverbundes. „Dieses Szenario tritt nur ein, wenn die Kürzungen des Freistaates tatsächlich so kommen“, sagt sie. Wie viele Fahrgäste die Linie jährlich nutzen, konnte sie nicht sagen. Die Schließungspläne beträfen aber nur Linien mit weniger als 100 000 Passagieren im Jahr.
Übergangsstelle fiele weg
Betroffen sei von den Kürzungen im Landkreis auch der geplante Bau der Bus-Bahn-Übergangsstelle in Nossen. „Zumindest für die nächsten zwei Jahre ist dann daran nicht zu denken“, so die Sprecherin. Für Uwe Anke (parteilos), den Bürgermeister von Nossen, wäre das schlicht eine „Katastrophe“. „Es wäre absolut das Schlimmste, was uns passieren könnte. Wir wollen nicht nur die Bahnstrecke erhalten, sondern mit der Übergangsstelle auch einen Schandfleck in der Stadt beseitigen“, sagt er. Einen „Plan B“ gäbe es dafür nicht. Mit eigenen Mitteln könne die Stadt das nicht finanzieren. Anke fürchtet, dass bei einer Stilllegung der Strecke Meißen-Nossen auch die Verbindung nach Roßwein und Döbeln kaum noch genutzt wird, weil die Strecke dann nicht mehr durchgängig ist. Der Nossener Bürgermeister war gestern über die Pläne noch nicht informiert, erfuhr sie erst von der Zeitung.
Am Beruflichen Schulzentrum in Meißen wären 39 Schüler aus Nossen von der Streckenstilllegung betroffen. „Damit sind die Schüler benachteiligt, die ohnehin einen weiten Anfahrtsweg haben“, erklärt Schulleiter Bernd Petschke. In der Ankündigung des VVO sieht er außerdem „kein gutes Signal“ für den Schulstandort Meißen innerhalb des Landkreises.
Würde die Bahnlinie dicht gemacht, würde die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) sofort mit Bussen einspringen. „Wir stehen in diesem Fall in den Startlöchern“, versichert Jörg Weinhardt, der stellvertretende Betriebsleiter. Es gäbe zwischen Meißen und Nossen bereits ein gut ausgebautes Busliniennetz, teilweise parallel zur Bahnstrecke, teilweise führt die Linie aber auch durch andere Orte. Einige Fahrten seien vom VVO in letzter Zeit schon abbestellt worden. „Die Fahrzeiten mit dem Bus sind allerdings manchmal länger als mit der Bahn“, räumt Weinhardt ein.
Strecke erst saniert
Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) warnt davor, eine Bahnstrecke stillzulegen, deren Sanierung vor wenigen Monaten erst abgeschlossen worden ist. „Das lässt sich keinem Steuerzahler vermitteln“, sagt das Meißner Stadtoberhaupt. Verkehrspolitisch, klimatechnisch und fiskalisch mache das Aus der Bahnstrecke Meißen-Nossen keinen Sinn.
Landrat Steinbach fürchtet, dass die Kürzung nicht nur auf zwei Jahre beschränkt bleibt. „Ich befürchte, dass alle Züge, die ab 2011 im VVO nicht mehr fahren, nie mehr fahren werden.“
(c) Sächsische Zeitung, 19.08.2010

